Projekt
Fakultät für Geistes- und Humanwissenschaften - Institut für Islamische Theologie/Religionspädagogik

Topologie der islamischen Religiosität.
Studien zum Niveau der Religiosität muslimischer Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland - Eine empirische Sozialforschung von insbesondere pädagogischer Relevanz
Status:aktuell laufendes Vorhaben
Kurzinhalt:Aus verschiedenen Anlässen stellt sich im Zusammenhang mit der aktuellen Islam-Debatte in Deutschland immer wieder die entscheidende Frage „Wie religiös sind die Muslime (in Deutschland)?“.
Im Gegensatz zu der alten Säkularisierungsthese der 60er Jahre, resp. Thomas Luckmanns These von der „unsichtbaren Religion“, dass mit zunehmender Bildung und „Zivilisation“ Religiosität abnehme und zukünftig langsam, aber sicher, zumindest aus dem öffentlichen Raum verschwinden würde, kam es im Laufe der 90er zu einer „neuen Sichtbarkeit von Religion“. Mit José Casanovas These von der De-Privatisierung der Religion wurde die Frage aufgeworfen, ob auch in Deutschland und Europa die Religion in den öffentlichen Raum zurückkehrt. Dennoch bleibt es in der aktuellen Forschung noch fraglich, ob es tatsächlich zu einer „Wiederkehr des Religiösen“ (Detlef Pollack) kommt oder nicht doch die Säkularisierung weiter voranschreitet. Zumindest für den Islam erfährt die Säkularisierungsthese wieder überraschend Aufwind durch die ernstzunehmende Publikation von Michael Blume „Islam in der Krise“ (Ostfildern 2017).
Von aktueller Relevanz ist auch die Frage nach der Bedeutung von „Religion und Politik im globalen Kontext der Gegenwart“ (Roland Robertson) und die Funktion von Religion als Stütze auf der Suche nach Identität. Nicht zuletzt stellt die Thematik der heute oft problematischen Identitätssuche und -findung eine zentrale Begründung für den Erhalt des bekenntnis-orientierten Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen in Deutschland und analog auch für die Einrichtung von Islamischem Religionsunterricht (IRU) dar.
Die Frage nach islamischer Religiosität im Hinblick auf muslimische Jugendliche und junge Erwachsene ist daher unter anderem auch von hoher pädagogischer Relevanz. Die islamisch-theologische Lehre an Schule und Hochschule hängt letztlich von der Bedingungsanalyse ihrer Adressaten ab, da eine jede Pädagogik der reflektierten Beurteilung der gegebenen Voraussetzungen, unter denen der gesamte Bildungsprozess steht, bedarf.
Ein Religionsunterricht, der Religion und damit im bekenntnis-orientierten Fach auch die gelebte Religiosität zum Inhalt hat, muss das Maß und auch das Spektrum an religiösen Bedeutungsdimensionen kennen und im Unterricht im Blick behalten. Es ist für die religionspädagogische Arbeit entscheidend, ob beispielsweise ein Schüler sich aus Angst vor Strafe religiös verhält oder aus hingebungsvoller Gottesliebe oder nur um zu einer bestimmten Peer-Group zu gehören. Nicht zuletzt ist die Thematik auch für eine Extremismusprävention relevant, die man sich schließlich zumindest als Nebeneffekt des Islamischen Religionsunterrichts wünscht. Eine der schwierigen Fragen in dieser Hinsicht ist, woran man frühzeitig eine Radikalisierung von einer gesunden religiösen Entwicklung unterscheiden kann.

Zu der grundsätzlichen Schwierigkeit der Erhebung von Religiosität kommt aber als Faktor das spezifisch „Islamische“ noch hinzu, das in der geplanten empirischen Studie Beachtung finden soll, da die bisherige religionssoziologische und religionspsychologische Forschung fast ausschließlich christliche Religiosität im Blick hatte. Aus diesem Grund sollen die Eigenheiten islamischer Religion und Religiosität dargelegt werden. Insbesondere geht es hierbei um den Gedanken der göttlichen Einheit (tawhid) und den bereits im Hadith genannten Unterscheidungen von Religion (din al-islam), Glaube (iman) und religiös-moralischer Haltung (ihsan).
Eine empirische Studie, nach Möglichkeit gefördert durch Drittmittel, ist in Planung.


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Projektdauer:01.01.2018 bis 31.08.2019
Mitarbeitende:
J. Prof. Dr.  Schröter, Jörg (Leitung) [',Profil,']


In Zusammenarbeit mit:Prof. Dr. Pfeiffer, Klinikum Basel/Uni Marburg
Prof. Dr. Dr. Ebertz, Kath. Hochschule Freiburg
Verweis auf Webseiten:
keine
Angehängte Dateien:
keine
Erfasst von Stefan Wörmann am 07.08.2018    
Projekt-ID:151