Forschungsprojekt
Fakultät für Geistes- und Humanwissenschaften - Institut für deutsche Sprache und Literatur

Narrative Wege aus Angst und Trauer: Sprachliche Manifestationen subjektiver Traumabewältigung im Spiegel autobiographischer Interviews
Status:aktuell laufendes Vorhaben
Kurzinhalt:Mit der Annäherung an das komplexe Phänomen der Traumafolgen haben sich in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Wissenschaftsdisziplinen befasst, unter anderem die psychologische Traumaforschung, die Neurobiologie, die Psychosomatik, die Coping- und Resilienzforschung, diverse soziologische Ansätze sowie die Sprach- und Literatur-wissenschaft.

Innerhalb des qualitativen Forschungsparadigmas hat nicht zuletzt die narrative Forschung eine differenzierte und produktive Entwicklung durchlaufen. In der Durchführung und sprachwissenschaftlichen sowie psychologischen Analyse narrativer Interviews bietet sich die Gelegenheit zu einer erkenntnisreichen Synthese der psychologischen, soziologischen und linguistischen Perspektive. In qualitativen Interviewstudien wird die Kommunikation des Forschers mit seinem Untersuchungssubjekt explizit zum Bestandteil des Forschungsprozesses. Aus der detaillierten Analyse spezifischer Einzelfälle ergeben sich empirische Befunde, die dann auf einer abstrakteren Ebene reflektiert werden und potenziell – bei Bedarf - in einer Hypothesenbildung im Rahmen der quantitativen Forschung resultieren können.

Im Kontext der Erzählforschung und der psychologischen Copingforschung ist wiederum der Begriff der narrativen Bewältigung geprägt worden (vgl. Lucius-Hoene & Scheidt, 2014). Traumanarrative sind hier häufig Gegenstand der Untersuchung im Zusammenhang mit der Frage, wie und unter welchen Bedingungen Individuen die Verarbeitung und biographische Integration existenziell bedrohlicher Lebenser-fahrungen gelingt, und welche Faktoren sich möglicherweise erschwerend auswirken. Nicht nur werden solche Prozesse in besonderer Weise in ihrer sprachlichen Manifestation, im Erzählen erkennbar, sondern sie interagieren auch auf vielfältige Weise mit der kommunikativen Begegnung in der Interviewsituation.

Die Untersuchung stützt sich zum einen auf eine bereits bestehende Interviewreihe, die der Filmemacher Michael Teutsch mit der Pianistin und Holocaust-Überlebenden Aliza Herz-Sommer gemacht und in einem Dokumentarfilm verarbeitet hat („Von der Hölle ins Paradies oder Chopin hat mich gerettet“). Herr Teutsch hat die Verwendung seiner Interviews im Vorfeld uneingeschränkt befürwortet. Zusätzlich existiert bereits ein narratives Interview von Frau Stenzel mit Frau Herz-Sommer, das sie mit ihr im Jahr 2011 in London geführt hat. Damals war die Interviewpartnerin 108 Jahre alt und damit nicht nur die älteste Einwohnerin Londons, sondern auch die älteste Holocaust-Überlebende.
Zum anderen ist die Durchführung und Auswertung einer Serie (ca. 3-5) weiterer autobiographischer Interviews geplant, deren Auswertung ebenfalls in die Thematik eingearbeitet wird. Gesprächspartner sind Personen mit durchaus verschiedenen biographischen Hintergründen, denen aber gemeinsam ist, dass sie extrem belastenden Lebenssituationen oder Verlusterfahrungen ausgesetzt waren.

Aus wissenschaftlicher Sicht richtet sich die Aufmerksamkeit in erster Linie auf die Frage, welche Strategien der Betroffenen im Umgang mit existenziellen Ängsten und Trauer in den Erzählungen erkennbar werden, und wie sich das sprachlich niederschlägt.

[kürzen]
Projektdauer:01.01.2017 bis 31.12.2019
Mitarbeitende:
Prof. Dr. Hug, Michael (Leitung) [Profil]


In Zusammenarbeit mit:Cornelia Stenzel, Dipl. Psych. L.Ac. (USA)
Verweise auf Webseiten:
Keine
Angehängte Dateien:
Keine
Erfasst von Stefan Wörmann am 09.08.2018
Zuletzt geändert von Stefan Wörmann am 09.08.2018
    
Projekt-ID:159